Katastrophen-Alarm in der Kunsthalle

 

Wer immer noch denkt, Geschichte könnte sich nicht wiederholen und die aktuelle Bootskatastrophen mit Flüchtlingen seien eine einmalige Sache, dem sei der Besuch der Hamburger Kunsthalle empfohlen. Dort findet zurzeit die Ausstellung „Entfesselte Natur“ statt, die sich mit Katastrophen verschiedener Art beschäftigt. Eines der Bilder nennt sich „Untergang des Auswandererschiffs Austria“, wurde von Josed Carl Berthold Püttner in Szene gesetzt und zeigt eine der schlimmsten Katastrophen auf See: Am 13. September 1858 sank das Hapag-Schiff „Austria“ mit 542 Auswanderern an Bord vor Neufundland. Ursache der Katastrophe, die 495 Todesopfer forderte, war ein Brand, der beim sogenannten Räuchern ausgebrochen war. Bei dieser Desinfektionsmethode wurde Teer durch glühende Ketten zum Rauchen gebracht. Eine schwarze Stunde war dieses Unglück auch für die „Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actiengesellschaft“, besser bekannt unter dem Kürzel HAPAG, die damals die Route Hamburg-Amerika bediente. Doch das Auswandererschiff ist nur eines der rund 200 Exponate, die in der Ausstellung zu sehen sind, darunter Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Skulpturen, Fotografien, Filme und Videoarbeiten. Mit Feuersbrünsten, Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüchen und Schiffsuntergängen entfaltet sich in den Ausstellungsräumen ein Überblick, der den Besucher teils sprachlos zurücklässt. Dabei spannt sich der Bogen der ausgestellten Werke von den Jahren um 1600 bis in die unmittelbare Gegenwart. Spannend an der Ausstellung ist aber auch die Tatsache, dass sich der Mensch offenbar bereits seit jeher von Katastrophen aller Art magisch angezogen fühlte. Das gilt übrigens auch für den großen Brand von Hamburg (1842), dem viele Maler mindestens ein Gemälde widmeten – die Brüder Christoffer und Peter Suhr erschufen daraus sogar eine ganze Bilderreihe.  „Der Spiegel“ nannte das in seiner Kritik an der Ausstellung in der Kunsthalle überaus treffend: den „Flirt mit der Apokalypse“.

„Entfesselte Natur“
Bis 18. Oktober
Hamburger Kunsthalle
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Glockengießerwall